Die Galactose-Behandlung der Fabry-Krankheit
Als ich die Skripte zu meinen Galactose-Videos sichtete, fiel mir auf, dass es ihnen an Struktur fehlt. Ich versuchte damals, die Informationen die ich sammelte, als Videos zu veröffentlichen, aber dadurch gerieten Patientenerfahrungen und technische Details in jedem der drei Videos durcheinander. Deswegen werde ich mit diesem Post versuchen, die wichtigsten Informationen strukturiert zusammenzufassen. Ich schätze, es ist mittlerweile offensichtlich, dass die Idee mit der oralen Galactose von mir stammte, auch wenn ich das in meinen Videos etwas anders dargestellt habe. Ich wollte unmissverständlich deutlich machen, dass meine Aussagen bezüglich der Galactose keine medizinische Empfehlung darstellen und kein Ersatz für einen Arztbesuch sind. Auch wenn ich jetzt eingestehen kann, dass es meine Idee war, bleibt dieser Vorbehalt bestehen: meine Aussage bezüglich der Galactose stellen keine medizinische Empfehlung dar und sind kein Ersatz für einen Arztbesuch. Es sei jedoch festgestellt, dass Patienten, die von Galactosämie betroffen sind, keine orale Galactose einnehmen sollten.
Galactose ist ein Zucker mit einer Struktur, die einer der verfügbaren Fabry-Behandlungen, dem Galafold, sehr ähnelt. Galafold ist ein orales Fabry-Medikament, das als pharmakologisches Chaperone wirkt. Ein Chaperone ist ein kleines Molekül, das dazu dient, die Produktion des eigenen Enzyms eines Patienten zu verbessern. Dieser Ansatz unterscheidet sich von der Enzym-Ersatz-Therapie (EET), die, wie aus dem Namen hervorgeht, darauf abzielt, das körpereigene Enzym eines Patienten gänzlich zu ersetzen.
Es gibt einige Unterschiede zwischen Chaperone-Behandlung und EET. Die Chaperone-Behandlung kann als kleines Molekül die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Als orale Behandlung sind keine Wunden erforderlich, die ein potenzielles Infektionsrisiko darstellen. Die Gefahr einer allergischen Reaktion ist wesentlich geringer für die Chaperone-Behandlung, und es kann nicht zu einer Immunresistenz kommen. Jedoch funktioniert die Chaperone-Behandlung nicht für alle Fabry-Mutationen. Mutationen, die zu einem Totalausfall des körpereigenen Enzyms führen, können nicht korrigiert werden, weswegen in diesem Fall EET erforderlich ist. Deswegen wird die Chaperone-Behandlung hauptsächlich angewandt für Missense-Mutationen, die zu einer moderaten Einschränkung der Enzymfunktion führen. Einige dieser Genvarianten sind sehr häufig (bis zu einem halben Prozent der Allgemeinbevölkerung könnten betroffen sein), und diese Genvarianten wurden zum Teil für gutartig erklärt. Jedoch wurde neulich bewiesen, dass ER-Stress eine zusätzliche Ursache für M. Fabry ist. Diese weitere Ursache für M. Fabry wurde nicht berücksichtigt als diese Varianten für gutartig erklärt wurden.
Viele Patienten, die von diesen häufigen Fabry-Varianten betroffen sind, erhalten keine Behandlung, so auch ich. Deswegen fing ich eine Selbstbehandlung mit Galactose an (es gibt zwei Veröffentlichungen über die Fabry-Behandlung mit Galactose, eine mit Zellkulturen und eine mit einem Patienten). Anfangs benutzte ich 0,1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das wären z.B. Einzeldosen von 6 Gramm für eine 60 Kilogramm schwere Person. Ich nahm mindestens vier solche Dosen, manchmal sogar bis zu sechs, jeden Tag. Mindestens eine Stunde vor und nach jeder Dosis verzichte ich auf Essen und Trinken (außer Wasser). Der Grund: der Körper bevorzugt Glucose vor Galactose, also wird die Galactose weniger effizient aufgenommen wenn Glucose vorhanden ist.
Galactose muss in den Blutkreislauf gelangen, damit sie wirken kann. Aber wenn Galactose geschluckt wird, wird ein Teil der Galactose in der Leber zu Glucose umgewandelt, was die Effizienz vermindert. Die Lösung: Galactose kann von den Mundschleimhäuten direkt in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Also kann die Aufnahme wesentlich verbessert werden, wenn die Galactose einige Minuten im Mund gelassen wird. Dieser Prozess kann durch eine Prise Salz weiter verbessert werden, da dies die Wirkung der SLGT1-Zuckertransporter unterstützt.
Neulich habe ich angefangen, Galactose-Drops herzustellen. Dafür mische ich Galactose mit einem Prozent Salz und soviel Wasser, dass sich eine dickflüssige Masse ergibt. Diese Mischung fülle ich in Silikon-Backförmchen für Süßigkeiten. Anschließend lasse ich das Wasser verdunsten. Mit den Förmchen die ich benutze erhalte ich Galactose-Drops von 4 Gramm pro Stück. Diese lösen sich ganz langsam im Mund auf, so dass sich ein kontinuierlicher Effekt über einen längeren Zeitraum ergibt.
Einige Erfahrungen möchte ich erwähnen. Anfangs könnte der Körper (einschließlich der Verdauung) ein bisschen Zeit brauchen, sich an die Galactose-Behandlung zu gewöhnen, also fängt man besser langsam an. Galactose löst nicht alle Probleme sofort. Einige Probleme, wie Brain Fog und Erschöpfung, verbesserten sich schnell (nach Tagen oder Wochen), und verbessern sich nach drei Jahren weiter. Andere Symptome, wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ineffizientes Schwitzen wurden erst nach Jahren der Behandlung besser. Ab und zu (alle paar Monate) habe ich einige Tage mit Grippe-ähnlichen Symptomen, und an solchen Tagen muss ich wirklich meine Ruhe nehmen. Ich vermute, dass Aggregate aus fehlgefalteten Proteinen sich nach und nach auflösen und eine Immunreaktion hervorrufen. An guten Tagen habe ich manchmal das Gefühl, dass ich vieles machen kann, aber ich muss es trotzdem langsam angehen, sonst habe ich anschließend einige richtig schlimme Tage. Galactose ist kein Ersatz für das Pacing. Meine Richtlinie: Ich kann genauso viel machen, wie ich vor der Behandlung geschafft habe, und mich dabei wesentlich besser fühlen, oder ich kann viel mehr machen und mich dabei genauso elend fühlen wie vor der Behandlung.