Das Ausmaß des ER-Stress-Problems
In meinem letzten Video beschrieb ich Stress des endoplasmatischen Retikulums (ER-Stress) als mögliche Ursache für ME/CFS und Long COVID. Im selben Video zeigte ich eine Liste mit weiteren Diagnosen, die mit ER-Stress in Verbindung stehen könnten. Eine meiner nächsten Ziele ist, das ganze Ausmaß des ER-Stress-Problems zu kartieren. Eine erste Schlussfolgerung: Die Liste in meinem Video war eindeutig zu kurz.
Es scheint eine ganze Familie aus Diagnosen zu geben, die durch ER-Stress mit einander in Verbindung stehen. Trotzdem schafft es nicht einmal eine umfassende Publikation zum Thema ER-Stress in der Krankheitsentstehung, die ganzen Diagnosen auch nur annähernd umfassend aufzulisten. Bislang habe ich folgende gefunden:
(Aus der oben genannten Arbeit): Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Atherosklerose, Ischämie/Reperfusionsschaden, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz), neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer-Krankheit, Parkinson-Krankheit, Chorea Huntington), Stoffwechselstörungen (Insulinresistenz, Diabetes Typ 2, Adipositas), Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis, multiple Sklerose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen).
Weitere Autoimmunerkrankungen sind systemischer Lupus erythematodes und Sjögren-Syndrom.
Eine andere Art von Überreaktion des Immunsystem ist Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS).
Auch in der Entstehung von Endometriose spielt ER-Stress eine Rolle.
Dann gibt es noch genetische Erkrankungen wie Morbus Fabry, Ehlers-Danlos-Syndrom, Mukoviszidose und Sichelzellanämie.
ER-Stress spielt eine Rolle in einer Anzahl von Augenerkrankungen wie Glaukom, diabetische Retinopathie, altersbedingte Makuladegeneration, Retinopathia pigmentosa, Achromatopsie, Katarakt, Krankheiten der Aderhaut und der Augenoberfläche, und Kurzsichtigkeit.
Es gibt auch Probleme, die meist psychologisch gedeutet werden, wie Autismus und Depression).
Außerdem wird ER-Stress verschlimmert durch virale Infektionen, einige bakterielle Infektionen und den Alterungsprozess. Auch Microplastik könnte ER-Stress verschlimmern.
Dies ist nur der Anfangspunkt meiner neuen Forschung. Es gibt wahrscheinlich viele weitere genetische Erkrankungen, die mit ER-Stress in Verbindung stehen. Zum Beispiel gibt es eine Gruppe Generkrankungen, die als ER-Speichererkrankungen bezeichnet werden, darunter α1-Antitrypsin-Mangel (AAT-Defizit) und kongenitale Hypofibrinogenämie mit hepatischer Speicherung (HHHS). Stehen auch diese mit ER-Stress in Verbindung?
Insgesamt scheint ER-Stress eine der großen Krankheitsursachen, vor allem in der modernen Welt, zu sein. Gemeinsame Symptome sind wahrscheinlich: Erschöpfung, kognitive Einschränkungen (Brain Fog), entzündliche Prozesse sowie die Folgen von Zelltod der betroffenen Zelltypen. Einige dieser Diagnosen könnten Risikofaktoren für andere Diagnosen innerhalb dieser Krankheitsfamilie sein. In einigen Fällen könnte es sich um polygenetische Phänotypen handeln, die nicht den Mendelschen Regeln der Vererbung folgen. Polygenetische Vererbung könnte sogar heißen, dass sich die genaue Diagnose innerhalb dieser Krankheitsfamilie zwischen Eltern und Kind verändert. Der Zusammenhang zwischen Ehlers-Danlos-Syndrom und Autismus ist bereits bekannt, aber sogar diese Arbeit zieht ER-Stress als mögliches Bindeglied nicht in Betracht.
Insgesamt stellt das Ausmaß des ER-Stress-Problems dieses auf eine Stufe mit bakteriellen Infektionen, virale Infektionen oder Krebs. Trotzdem gibt es keine koordinierte Forschung. Im Falle des Morbus Fabry werden die Folgen durch ER-Stress nicht Ernst genommen, obwohl sie eindeutig bewiesen sind. Deswegen ist es wichtig, auf dieses Problem aufmerksam zu machen.